Eva Weyl: Der perfide Schein im Dritten Reich

Die Erinnerung an die Novemberpogrome vor 80 Jahren rückt immer mehr in den Hintergrund. Das macht die Rolle von Zeitzeuginnen in der heutigen Zeit umso wichtiger. Eva Weyl, eine der wenigen Überlebenden des Holocausts, die das Berufskolleg Neuss Weingartstraße am 15. November 2018 durch ihren Besuch beehrt, bringt es vor über 200 Schülerinnen und Schülern auf den Punkt: „Keiner von euch trägt die Verantwortung für das, was passiert ist, aber für das, was ihr daraus macht.“ Schulleiter Dieter Bullmann plädiert in seiner Ansprache für eine Zukunft der jungen Menschen, die von einem „nie wieder“ geprägt sein solle, man müsse aus der Vergangenheit lernen.

 

Eva Weyl, geboren 1935 in Arnheim als Kind einer nach Holland geflüchteten deutsch-jüdischen Familie, erzählt von ihrer Kindheit, ihrer Familie, die in Kleve in der Textilbranche beheimatet war, und von ihrem eiligen Aufbruch im Alter von sechs Jahren nach Westerbork, einem Sammel- und Durchgangslager der nationalsozialistischen Besatzungsmacht. Dort wurden etwa 107.000 Juden untergebracht und ab 1942 in die Vernichtungslager transportiert, wo sie dann systematisch ermordet wurden. Eindrucksvoll schildert sie Details der Ankunft und des Aufenthaltes in Westerbork. In kleinen Anekdoten gibt sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und zu erfahren, wie der Alltag im Lager damals zu bewältigen war.

Dabei geht sie vor allem auf den Leiter des Lagers, Kommandant Gemmeker, ein, dem die Aufgabe zuteilwurde, „Holland von den Juden zu reinigen“, so Weyl. Sie nennt ihn einen „Gentleman-Verbrecher“, der den perfiden Schein wahrte, indem er den damaligen Juden Arbeit, Nahrung, Ablenkung – ein normales Leben – bot. Weyl spricht von einer „perfekten Täuschung“, die dazu führte, dass ihr zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst war, dass eine systematische Ermordung im Gange war. Angst sei für sie damals ein Fremdwort gewesen, da ihre Eltern sie davor schützen wollten. Dass sie und ihre Familie überlebt haben und durch die Befreiung des Lagers durch kanadische Soldaten verschont blieben, bezeichnet Weyl als „glückliche Wendung“. Erst Jahre danach wurde ihr das Ausmaß an Grausamkeit bewusst, wodurch sie sich entschied, Jugendliche aufzuklären, damit diese als „Zweitzeugen“ ihre Geschichte und ihre Botschaft weitergeben und die Zukunft gestalten können.

 Frau Weyl sieht es als ihre Mission durch ihre Geschichte die jungen Erwachsenen über die Folgen des Rassismus aufzuklären und zum couragierten Handeln dagegen aufzurufen. Während ihres Vortrags waren die Schülerinnen und Schüler so gefesselt, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Projektleiter Ralf Laubert bedankte sich herzlich bei Frau Weyl, dass sie die Schülerinnen und Schüler an ihrer Lebensgeschichte teilhaben ließ und hofft auf einen weiteren Besuch der Zeitzeugin im nächsten Jahr.



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05.03.2019 Brückentag nach Rosenmontag
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